Vortrag: Wege aus dem Labyrinth traumaspezifischer Reaktionsmuster bei Kindern und Jugendlichen
Für Kinder und Jugendliche, die Kindesmisshandlungen in unterschiedlichster Form und Ausprägung ausgesetzt sind und /oder durch häusliche Gewalt sekundär traumatisiert werden, gehört die erfahrene Gewalt in der Regel zum integralen Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Nach außen sichtbar werden vor dem Gewalthintergrund entwickelte geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien, die darauf ausgerichtet sind, das psychische Überleben zu sichern und die Gesamtpersönlichkeit zu stabilisieren. Die traumatisierenden Gewalterfahrungen werden häufig erst dann zur Kenntnis genommen, wenn das Kind, der/die Jugendliche körperliche Beschädigungen und/oder schwere psychische Auffälligkeiten aufweist, die in keinen anderen nachvollziehbaren Kontext gestellt werden können.
Aufgrund der über Jahre andauernden physischen und psychischen Traumatisierungen durch Gewalt entwickelt ein Großteil der Kinder und Jugendlichen zahlreiche traumaspezifische Symptome, die sich chronifizieren und manifestieren und vielfältigen Diagnosekriterien des ICD-10 entsprechen. Wenn die Verhaltens- und Reaktionsmuster traumatisierter Kinder und Jugendlicher als Folgen schwerer Traumatisierungen eingeordnet werden, entsprechen die Symptome und Störungsbilder denen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.
Vor dem Hintergrund eines psychotraumatologischen Erklärungsansatzes ist davon auszugehen, dass die traumatisierenden Erfahrungen sowohl im innerpsychischen Erleben als auch in Reinszenierungen des Traumageschehens in alltäglichen Reaktionsmustern fortbestehen. Dieser Vortrag stellt auf der Grundlage psychotraumatologischer Theoriebildung die Vorgehensweise traumazentrierter Psychotherapie unter Einbeziehung von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) vor. An Hand von Fallbeispielen wird aufgezeigt, wie erlittene Traumatisierungen, die dem Kind /Jugendlichen im Rahmen eines Gewaltkontextes innerhalb des nahen Beziehungsumfeldes zugefügt wurden, bearbeitet werden können und dadurch ein Ausweg aus den traumaspezifischen Reaktionsmustern ermöglicht wird.