Peter Giesers
Dipl.-Psych. Peter Giesers, Psychoanalytiker (DGPT), Gruppenanalytiker (DAGG), Psychologischer Psychotherapeut, Arbeits- und Organisationspsychologe und Supervisor (BDP), von 1992 bis 1997 Leiter der Kinderschutz-Beratungsstelle Aachen, seitdem in freier Praxis tätig in Leverkusen.
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Vortrag: "...es ist viel komplizierter.... aber das ist auch eine Chance"Die Bedeutung der Bindungsforschung und Psychotraumatologie für die professionelle Hilfe bei sexuellem Missbrauch
Kinderschutz befindet sich in einem Dilemma zwischen Hilfe und Retraumatisierung. Mit der Aufdeckung ist es meist nicht getan, und selbst dazu reicht es in vielen Fällen nicht. Die Eigendynamik des Missbrauchs-Verdachtes führt nicht selten in einen verhängnisvollen Kreislauf von traumatischen Wiederholungen. Die Bindung des Opfers an den Täter, die Psychodynamik von Projektionen und Introjektionen, die interpersonellen Abwehrmuster des Familiensystems und die Dynamik des Wiederholungszwangs bei allen Beteiligten erschweren die Hilfe. Gleichzeitig bieten sich aber Möglichkeiten für konstruktive Interventionen der Helfersysteme von außen, wenn die pathologischen Lösungsmuster frühzeitig erkannt und transparent gemacht werden. Der sexuelle Missbrauch ist ein sexualisierter narzisstischer Missbrauch, der die Beziehungen aller Beteiligter im Familiensystem nachhältig vergiftet. Diese Spuren pathologischer Beziehungsmuster sind psychologisch spürbar und deutbar, auch wenn z. B. der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs nicht juristisch zu erhärten ist. Der Vortrag wird sich mit den unterschiedlichen Hilfeformen und Settings beschäftigen, die im modernen Kinderschutz eingesetzt werden können. Die früheren ideologischen Auseinandersetzungen sind inzwischen einer eher pragmatischen Fragestellung gewichen, denn die Methoden der Hilfe müssen sich nach dem Fall richten, nicht umgekehrt. Daher kommt der Diagnostik der Bindungsgeschichte, der Familiendynamik und der bisherigen Traumaverarbeitung ein hoher Stellenwert zu.
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