Kolloquium: Risikoeinschätzung bei sexuell aggressivem Verhalten
Ein nicht unerheblicher Teil erwachsener Sexualstraftäter zeigte bereits im Jugend- oder gar Kindesalter sexuell übergriffiges Verhalten. Welche Kinder und Jugendlichen später einschlägig straffällig werden, ist bislang weitgehend unbekannt.In einem Forschungsprojekt - gefördert durch das Ministerium für Gesundheit, So-ziales, Frauen und Familie NRW - zur Evaluation ambulanter therapeutischer Maß-nahmen für jugendliche Sexualtäter soll der Bedarf an Maßnahmen ermittelt und die zur Verfügung stehenden Behandlungsangebote untersucht werden. Außerdem sollen diagnostische Daten gewonnen werden, um ein differenziertes Behandlungs-angebot und Voraussagen über das zukünftige Risiko machen zu können.Die diagnostischen Items umfassten Tatmerkmale, die familiäre und soziale Situation sowie die sexuelle und gesundheitliche Entwicklung. Weiterhin wurde anhand von Selbst- und Fremdbeurteilung einige persönlichkeitsbezogene Merkmale der Proban-den erhoben.
Die Ergebnisse zeigten, dass es sich bei der Stichprobe um eine heterogene Gruppe handelt. Bei den Tätern, die Beischlaf zwischen Verwandten begangen haben, kann die Tat als ein Konfliktlösungsmuster bzw. als eine Form des Widerstands interpre-tiert werden. Bei einigen der Täter, kann ein Beginn einer sich entwickelnden sexuel-len Devianz angenommen werden. Sexuelle Nötiger / Vergewaltiger fallen vor allem durch Dissozialität auf, die auch in anderen, nicht sexualitätsbezogenen Straftaten zum Ausdruck kommt. Bei einem Teil der Probanden, die sexuell übergriffiges Ver-halten gezeigt haben, kann eher davon ausgegangen werden, dass das abweichende Verhalten in Rahmen einer vorübergehenden Phase aufgetreten ist.Weiterhin kann ein Teil der Probanden als risikogefährdet beurteilt werden.