Dr. Matthias Schmelzle
Dr. med. Dipl. Psych. M. Schmelzle, Leitender Arzt Tageskliniken des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes, Münsterlingen, Schweiz. Schwerpunkte: psychoanalytische Pädagogik und psychoanalytische Psychotherapie für Kinder und Jugendliche, Gestaltung milieutherapeutischer und gruppentherapeutischer Behandlungsansätze; Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie, insbesondere Assessment und Behandlung jugendlicher sexueller Misshandler.
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Kolloquium: Hilfe für die Jungen - Psychodynamische Herausforderungen an die HelferInnen
Anders als bei anderen Delikten erlebt man praktisch nie Jugendliche, die nach sexuellen Übergriffen stolz auf ihre Tat sind. Sie schämen sich enorm und tun alles (sinnvolles und weniger sinnvolles), um ihr Selbstbild aufrecht erhalten zu können. So sind sie angewiesen auf ein gewisses Verständnis ihrer Umgebung, gleichzeitig hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Jugendlichen in einen verpflichtenden Rahmen einzubinden, in dem Therapie kein unverbindliches Angebot ist, sondern eine logische Folge dessen, was sie getan haben. Für die Therapeuten bedeutet dies die Verpflichtung, den Jugendlichen immer wieder zu motivieren und ihn nicht zu überfordern oder zu erniedrigen. Ein sorgfältiges Assessment vor jeder Behandlung gibt Auskunft über Gefährlichkeit und sinnvolle Behandlungsschwerpunkte, ein transparentes Setting sichert Jugendlichen, Familie und Therapeuten ab.Dies ist der Kontext der Behandlung, deren therapeutische Elemente im Kolloqium dargestellt und erarbeitet werden. Wie werden in der Therapie "Holding und Challengig" als Grundprinzipien umgesetzt? Wie gestalten die Therapeuten die Behandlungsatmosphäre und die Beziehung und wie gehen sie mit dem Dilemma um, dass die Jugendlichen zugleich bedürftig und - mehr oder weniger - gefährlich oder widerspenstig und entwertend sind? In welcher Weise werden die Ressourcen der Gruppe genutzt, um den Entwicklungs- bzw. Lernprozess des Jugendlichen trotz schambesetzter Themen am Laufen zu halten und nicht um den heißen Brei herumzureden? Wie schaffen es die Therapeuten, dass ihnen die Arbeit Spaß macht und sie die Jugendlichen damit anstecken? Einige der vielen Fragen, auf die im Kolloquium einige Antworten gefunden werden können.
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