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Fachkongress 10/2003

Beziehungshungrig und grenzenlos -
Sexuell aggressive Jungen zwischen Hilfe und Sanktion

München: 9. - 10. Oktober 2003


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Zu den Personen:
Abstract:
Kirstin Dawin

Seit 1999 als Diplom-Psychologin im Kinderschutz-Zentrum München tätig. Zusatzausbildung zur systemischen Familientherapeutin. Betonung der systemischen Sichtweise auch und gerade in der Arbeit mit dem gesamten, von Gewalt betroffenen (Familien)-System. Entwicklung eines Konzeptes zur Gruppentherapie sexuell aggressiver Jugendlicher und Durchführung entsprechender Gruppen im Kinderschutz-Zentrum als gemischt-geschlechtliches Therapeutenpaar gemeinsam mit Herrn Schwarz.

Kolloquium: "Ich hatte mein Gewissen abgestellt ..." - Gruppentherapie für sexuell aggressive Jungen

Beim Thema sexuelle Übergriffe hat Gruppentherapie gegenüber der Einzeltherapie eine Reihe von Vorteilen: In der Gruppe erkennen die anderen Jugendlichen sofort Lügen, Unzuverlässigkeit, Ausweichmanöver und andere Schutzmechanismen und können diese im geschützten Setting der Gruppe konfrontieren. Es können Szenen nachgespielt und bearbeitet werden. Was an erster Stelle der Zielsetzung für die therapeutische Arbeit steht, ist, dass sich die Tat nicht mehr wiederholt. Es bedeutet die Übernahme von Verantwortung, also das Bekennen und Einstehen für die Tat, das Schildern der Tat und des "Deliktkreislaufs" mit allen Gedanken und Gefühlen, dem Verhalten vor, während und nach der Tat, und der Rechtfertigung und Schönrednerei. Weitere zentrale Aufgaben und Themen sind der Umgang mit Aggressionen und (sexuellen) Frustrationen, die Entwicklung und das Wahrnehmen persönlicher Grenzen, die Entwicklung einer positiven männlichen Identität, sowie die Entwicklung von Empathie, sexuelle Aufklärung und die Vermittlung von sozialen Fertigkeiten, z.B. die normale Courtship.Die Gruppen werden von uns gemischtgeschlechtlich geleitet.

Was die Jungen in der Therapie im Kontakt mit uns meist erstmals erleben, ist ein "Eltern"-Paar als Gegenüber, das auch bei Auseinandersetzungen in Beziehung bleibt, dabei grenzsetzend interagiert, und das vertraute Muster von Beziehungsabbrüchen nicht wiederholt. Auch durch die Austragung von Auseinandersetzungen im Sinne des reflecting team vor den Jungen leben wir eine Kultur von respektvollem Umgang mit dem anderen Geschlecht modellhaft vor. Und körperliche Wettkämpfe und Raufspiele, an denen wir uns auch beteiligen, ermöglichen den Jungen ein Erleben von Körperlichkeit und Nähe ohne grenzverletzende Gewalt.

Michael Schwarz

Diplom-Psychologe, Systemtherapeut (Systemenergetik), seit 2000 Mitarbeiter im Kinderschutz-Zentrum München. Gemeinsam mit Frau Dawin konzeptionelle Entwicklung und Durchführung von Gruppen für sexuell aggressive Jungen.