Vortrag: Gewalttätige Konflikte in der Familie im Erleben von Kindern - Konsequenzen und Erfordernisse für die Hilfe
Auch das Miterleben der Gewalt zwischen Erwachsenen ist eine Form der Gewalt gegen Kinder. Das Erleben der Kinder muss gesondert betrachtet werden und erschliesst sich weder direkt aus dem Erleben des erwachsenen Opfers noch aus dem kindlichen Erleben von Misshandlung. Betroffene Kinder erleben widerstreitende Gefühle, die ihr Selbstgefühl wesentlich mitprägen und eine traumatische Erfahrung darstellen können:
Gewalt zwischen für das Kind existentiell wichtigen Personen bedeutet nicht nur Angst und Überwältigung durch das reale Ereignis, sondern auch den Verlust oder das Fehlen eines strukturierenden und haltgebenden Umfeldes. Damit ist das Kind einer bedrohlichen Überflutung mit inneren Triebkräften und Gefühlen ausgesetzt. Außerdem sind die Kinder in die Beziehungen der Erwachsenen einbezogen und fühlen sich oft genug mitverantwortlich. Damit werden sie in ihrem Selbstgefühl zusätzlich belastet.
Die Intervention von außen muss im Interesse der Kinder diesen Verstrickungen Rechnung tragen, sonst kann sie zusätzliche Beeinträchtigungen des Kindes zur Folge haben. Kinder brauchen Erklärungen, sie brauchen die Berücksichtigung ihres eigenen Erlebens und ihrer eigenen Beziehungsrealität in der je eigenen Geschichte der Familie und sie brauchen die Entlastung von parentalen Rollen. Deshalb ist eine Arbeit mit dem Kind einerseits und eine beratende Arbeit mit beiden Eltern bzw. wichtigen Bezugspersonen auch im Interesse der Kinder nötig.