Vortrag: Innere Konflikte von BeraterInnen zwischen Garantenpflicht und fachlichem Selbstverständnis
Um sich dem Anspruch der Garantenstellung eindeutig entgegen - besser gesagt: gegenüber stellen zu können, gilt es das eigene Selbstverständnis und meines Erachtens auch die implizierten Selbstmissverständnisse klar zu fassen: Immer noch wird professionelle Hilfestellung in unseren inneren Bildern mit einem unreflektierten Gut-Sein-Wollen gleichgesetzt. Ressourcenorientierte Ansätze laufen Gefahr, nicht wahrnehmen zu können oder vielleicht zu dürfen, dass in manchen Situationen (noch) keine ausreichenden Ressourcen zur Problemeinsicht oder aber auch Gewaltbeendigung vorhanden sind. Ein solches Wahrnehmen würde auch ein aktives Eingreifen und dezidiertes Aushandeln bzw. Setzen von (Schutz) Maßnahmen im Rahmen unseres Handlungskontextes verlangen -in einer Hilfs-Ich-Funktion, die auch die betroffenen Erwachsenen vor weiterer Destruktion und damit ‚schuldig' Werden schützt.
Unser Selbstverständnis bedarf sehr wohl eines klaren und parteilichen Standpunktes gegen Gewalt und somit Gewalthandlungen von dem aus wir ein Beziehungsangebot an Betroffene machen.
Bleibt diese Konfrontation gewaltausübender Erwachsener mit der Destruktion ihrer Gewalthandlungen aus, weil dies häufig als Widerspruch bzw.Gefahr für eine ausreichend vertrauensvolle Arbeitsbeziehung eingeschätzt und deshalb vermieden wird, arbeiten wir letztlich einer Spaltung zu: Wir sind die ‚helfenden Guten' um den Preis von Auslassung - was zum Ruf nach eingreifender und vor allem staatlich ‚übergreifender' Ordnung steht - vielleicht auch unbewußt in uns. Wie entlastend kann ein verordnetes Handeln im Namen übergeordneter Regeln - z.B. einer Garantenstellung sein....