„Mama, was heißt eigentlich psychisch krank?“
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„Mama, was heißt eigentlich psychisch krank?“

Kinderschutz-Zentrum Aachen hilft Kindern psychisch kranker Eltern und ihren Familien

15.03.2018

Worum genau geht es bei AKisiA?
AKisiA ist ein Angebot der Erziehungsberatungsstelle, das sich an Kinder psychisch kranker Eltern und deren Familien richtet. Angefangen hat alles mit einem Gruppenangebot für Kinder, das in der Zwischenzeit durch eine Vielzahl weiterer Angebote für Eltern und Kinder ergänzt worden ist, wie z.B. Einzelberatung, Familientherapie oder Familienberatung. Wir wollen Kinder und Eltern zunächst aufklären und informieren. Wichtige Fragen lauten dabei: Was heißt eigentlich psychisch krank? Wie sind Kinder von der Erkrankung eines Elternteils betroffen? Wie können Eltern mit ihren Kindern über die eigene psychische Erkrankung sprechen? Was hilft betroffenen Kindern? Ziel dabei ist es, das Thema „psychisch kranke Eltern“ aus der Tabuzone zu holen.

Wie alt sind die Kinder in der Gruppe?
AKisiA ist für Kinder zwischen sechs und neun Jahren.

Wie kommen die Kinder zu AKisiA?
AKisiA ist ein freiwilliges Angebot. Meistens melden sich die Eltern, da sie in Sorge um ihre Kinder sind. Manchmal fällt die psychische Erkrankung aber auch erst im Rahmen einer Beratung in unserer Erziehungsberatungsstelle auf, und meine Kolleginnen und Kollegen stellen dann den Kontakt her.
Alle vier Wochen bieten wir außerdem Sprechstunden in zwei Erwachsenenpsychiatrien in Aachen an, wo wir Eltern für die Lage und möglichen Hilfebedarfe ihrer Kinder sensibilisieren möchten.
In wenigen Fällen kommen Kinder über das Jugendamt.

Was bietet AKisiA den Kindern?
Die Kinder werden über die Erkrankung ihrer Eltern kindgerecht aufgeklärt, erfahren z.B. wie die Psyche überhaupt krank werden kann, wie sich das äußert und können über eigene Sorgen und Ängste sprechen. Sie erfahren, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind, dass es andere Betroffene gibt und dass man sich Hilfe holen kann und wie das funktioniert.

Wie lange kommen die Kinder zu Ihnen?
Pro Jahr bieten wir zwei Gruppen an, die ca. vier Monate dauern und einmal wöchentlich stattfinden. Bei der letzten Gruppe fand parallel erstmalig ein Elterncafé statt. Dabei wurden den Eltern neben Kaffee und Plätzchen auch unterschiedliche Themen angeboten, die dann besprochen wurden. Hierbei waren für die Eltern besonders Fragen darüber, wie man mit Kindern über die eigene Erkrankung spricht und ob diese zum Beispiel vererbbar ist, interessant.

Was sind denn die häufigsten Problematiken bei Eltern?
Am häufigsten begegnen uns Depressionen, obwohl wir hier keine diagnostische Abklärung machen oder einfordern. Im persönlichen Gespräch frage ich nach der Art der psychischen Erkrankung, aber uns werden keine psychiatrischen Gutachten über unsere Klientinnen und Klienten vorgelegt. Wie gesagt: Das Angebot ist freiwillig.

Welche Probleme zeigen sich bei Kindern, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden?
Häufig zeigen sich bei diesen Kindern Anzeichen von Vernachlässigung, da sie in vielen Dingen auf sich selbst gestellt sind oder sich um weitere Geschwister kümmern müssen. Damit einher geht oftmals eine Rollenumkehr (Parentifizierung), die nach der „Genesung“ der Eltern zu Erziehungsschwierigkeiten führen kann. Für einige Kinder ist es schwierig, sich an Regeln zu halten oder mit Strukturen umzugehen, während andere im Gegenteil überangepasst sind.

Gibt es Folgeangebote für Kinder und Jugendliche?
Es gab einmal eine offene Jugendgruppe. Leider reichten die Ressourcen nicht, um sie weiter am Laufen zu halten. Generell gibt es aber viele Nachfragen nach Folgeangeboten. Und manchmal sehen wir Familien auch mehrmals, z.B. wenn sich nach einer gewissen Zeit ein erneuter Beratungsbedarf ergibt. Diese Familien kommen dann aber eher in die Erziehungsberatungsstelle.

Welche Kooperationspartner gibt es?
Wir arbeiten mit dem Jugendamt und dem Gesundheitsamt zusammen, mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst, Betreutem Wohnen und der Erwachsenenpsychiatrie. Aber natürlich auch mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen, die sich für die Belange von Kindern psychisch kranker Eltern einsetzen. Ähnlich wie bei den Frühen Hilfen ist auch bei uns die Vernetzung ganz unterschiedlicher Akteure wichtig, um aufzuklären und zu sensibilisieren, damit Kinder und ihre Familien die bestmögliche Unterstützung erhalten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von AKisiA?
Mehr finanzielle und personelle Ressourcen, sodass wir zum Beispiel eine Folgegruppe fest in unserem Angebot installieren könnten.

 



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