Bundesweites Treffen der Kolleg(inn)en der Frühen Hilfen der Kinderschutz-Zentren
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Arbeitsfelder

Bundesweites Treffen der Kolleg(inn)en der Frühen Hilfen der Kinderschutz-Zentren

Frühe Hilfen und Migration

Vom 18. bis 20. Februar haben sich die Kolleg(inn)en der Frühen Hilfen aus den Kinderschutz-Zentren zu ihrer jährlichen Sitzung getroffen. Dabei waren verschiedene Professionen wie Familienhebammen, Hebammen, Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, Sozialpädagog(inn)en, Diplom-Psycholog(inn)en und -Pädagog(inn)en vertreten.

Das diesjährige Schwerpunktthema war die kultursensible Arbeit mit Migrantenfamilien in den Frühen Hilfen. Um sich in die Situation von ausländischen Familien einzufühlen, wurden Mütter aus der Türkei, dem Irak, Afghanistan und Eritrea als Expertinnen eingeladen, um in World-Cafés von ihrer Biografie, ihrer Schwangerschaft, Geburt, Erziehungs- und Wertevorstellungen zu berichten. Dabei wurde deutlich, welch ungeheuren Belastungen die Mütter und ihre Familien häufig ausgesetzt sind: Beziehungsabbrüche und Trennungen von Verwandten und Freunden im Herkunftsland, fehlende Kontakte und Unterstützung im neuen Heimatland und mangelndes Wissen um Unterstützungssysteme.

Als Gastreferent hat Prof. Dr. Jörn Borke von der Hochschule in Magdeburg-Stendal den Begriff der Kultur definiert „als von Personen geteilte Deutungs- und Verhaltensmuster, die an ökonomische und soziale Ressourcen des Kontextes, in dem diese Personen leben, angepasst sind“. Danach wird der kulturelle Kontext insbesondere von Faktoren wie Familiengröße, städtische oder ländliche Umgebung, Erstgeburtsalter und formale Bildung bestimmt und weniger vom Herkunftsland. So ist eine türkische Familie aus der Mittelschicht in Istanbul mit ihren Vorstellungen bezogen auf Entwicklung, Erziehung und Bildung ihrer Kinder sicherlich nicht weit entfernt von einer mittelschichtorientierten Familie in Köln oder Berlin, unterscheidet sich aber sehr von einer Familie aus dörflichen Strukturen in der Türkei.

Die Betrachtung verschiedener Videoaufzeichnungen von Eltern-Kind-Interaktionen machte unterschiedliche Umgangsweisen und Erziehungsziele deutlich und führte zu intensiven Diskussionen um förderliche Haltungen der Beraterinnen und Berater. Deutlich wurde, dass eine Reflexion der eigenen kulturellen Werte und Haltungen unverzichtbar ist. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft der Helfer(innen), sich ein Wissen um die kulturellen Werte und Vorstellungen der Klientinnen und Klienten anzueignen. Nur so können gemeinsame Kommunikationsformen entwickelt werden, die – im wahrsten Sinne des Wortes – Türen öffnen.

 



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