Kinderarmut und Kinderschutz – Fachkongress in Dortmund setzt auf Vernetzung und Kooperation
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Kinderarmut und Kinderschutz – Fachkongress in Dortmund setzt auf Vernetzung und Kooperation

Kaum ein Thema enthält derzeit so großen gesellschaftspolitischen Sprengstoff wie das Thema Kinderarmut. Bundesweit ist im Jahr 2016 jedes siebte Kind von Hartz IV abhängig und insgesamt wachsen rund 2,7 Mio. Kinder und Jugendliche in Deutschland in Armut auf, die aktuellen Flüchtlingszahlen sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Katastrophale Zahlen für eine so reiche Gesellschaft. Doch was kann die Kinder- und Jugendhilfe noch leisten, wenn Sozial- und Wirtschaftspolitik an dieser Stelle so deutlich scheitern?

Der Fachkongress in Dortmund begegnete dieser Fragestellung mit Fachvorträgen aus Wissenschaft und Forschung sowie den direkten Austausch über praxisnahe Erfahrungen und Konzepten von Einrichtungen, die mit sozial benachteiligten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien arbeiten. Deutlich wurde dabei, dass die Vernetzung und Kooperation von Fachkräften und Institutionen, insbesondere auch auf kommunaler Ebene, einen wesentlichen Eckpfeiler der Bekämpfung von Kinderarmut ausmacht.

 

Armut ist mehrdimensional

Denn Kinderarmut hat viele Gesichter und Erscheinungsformen. Es geht nicht nur um den materiellen Mangel, sondern auch um den begrenzten Zugang zu öffentlichen Ressourcen, um soziale Ausgrenzung, um eingeschränkte soziale Kontakte sowie um emotionale und gesundheitliche Belastungen. Um der Komplexität dieser Benachteiligungen effektiv und direkt zu begegnen, bedarf es regionaler und lokaler Netzwerke vor Ort.

 

Die vielschichtigen Aspekte des Tagungsthemas wurden auch in den zentralen Vorträgen sichtbar, die sich sowohl mit Grundlagen der Armutsforschung, Risikofaktoren, als auch Präventions- und Handlungsansätzen beschäftigten. Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Universität zu Köln) beschrieb zunächst eindrücklich was es bedeutet, in einem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Anschließend ging Prof. Dr. Karl August Chassé (Goethe-Universität Frankfurt a. M.) der Frage nach, wie die betroffenen Kinder und Jugendliche selbst ihre Lebenssituation erleben und beurteilen.

 

Einmal arm, immer arm?!

In der Forschung und den Diskussionen über Armut werden verschiedene zentrale Risikofaktoren deutlich. In diesem Kontext zeigte Dr. Carolin Butterwegge (Universität zu Köln) die spezifische Situation von Kindern aus Migrantenfamilien auf. Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (FH Münster) verdeutliche zudem die Zusammenhänge von Kinderarmut und Bildung, welche oftmals als wesentliches Kriterium für eine Überwindung von Armutslagen genannt wird.

In den praxisorientierten Workshops wurden auf diesen Grundlagen Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie benachteiligte Kinder und Jugendliche individuell in ihrer Entwicklung gefördert und die Folgen von Armut gemindert werden können.

Den großen Bogen schlug abschließend Gerda Holz (Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.), die aus ihrer langjährigen Arbeit zu Handlungsansätzen der Strukturentwicklung und Resilienzförderung auf kommunaler Ebene berichtete und so Grundlagenforschung und praktische Konzepte zusammenführte.

 

Prof. Dr. Christoph Butterwegge gab uns wärend der Veranstaltung ein kurzes Interview zum Thema, zu finden in unseren Podcast.

 



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