Hilfen bei psychischer Erkrankung und Sucht - Riesige Resonanz auf Fachkongress in Leipzig
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Hilfen bei psychischer Erkrankung und Sucht - Riesige Resonanz auf Fachkongress in Leipzig

Wenn ein Vater oder eine Mutter psychisch oder an einer Sucht erkrankt ist, dann betrifft das meist das ganze Familiensystem. Kinder, die mit suchtkranken Eltern aufwachsen, haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko, selbst eine solche Erkrankung zu entwickeln. Das Hilfesystem ist daher gefordert, nicht nur den Betroffenen zu helfen, sondern die ganze Familie zu unterstützen. Der Fachkongress in Leipzig stellte daher diesen Themenschwerpunkt in den Fokus.

Die Anmeldezahlen bestätigen die Dringlichkeit des Themas: Über 200 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, aus therapeutischen Einrichtungen und aus dem Gesundheitswesen fanden den Weg auf den modernen Kongress-Campus in Leipzig-Gohlis - der Kongress war ausgebucht.

Aktuelle Forschungsergebnisse und bewährte Hilfe- und Unterstützungskonzepte

Wie psychotische Weltanschauungen von Kindern verinnerlicht werden schilderte im Eröffnungsbeitrag Jessika Kuehn-Velten (Ärztliche Kinderschutzambulanz Düsseldorf) an besonders eindrücklichen Fallbeispielen. Damit leitete sie aus der Praxis über in den theoretischen Kontext der besonderen Familien- und Hilfedynamik bei psychischen wie suchterkrankten Familiensystemen.

Woran merken wir eigentlich, wenn Kooperation gelingt? Würde sich etwas ändern, wenn wir nicht mehr kooperieren? Und: Gibt es eine Kooperationssucht? Diese provokanten und kritischen Fragen stellte Dr. Mike Seckinger (DJI, München) und stieß damit einige Irritationen zu einem der gängigsten Handlungskonzepte des modernen Kinderschutzes an.

Veränderte Zahlen im Bereich von Suchterkrankungen lieferte Prof. Dr. Michael Klein (Foto) von der Katholischen Hochschule NRW in Köln. Er vermittelte aktuelle Erkenntnisse zur Sucht von Kindern, Jugendlichen und Familien und stellte gelingende Beratungsansätze vor.

PD Dr. Sybille Winter von der Charite Berlin zeigte aktuelle Entwicklungen rund um Flucht, Vertreibung und Migration auf. Wann kann man bei Geflüchteten von traumatischen Erfahrungen sprechen? Wieviele sind betroffen? Und was kann man tun? Das waren nur einige der Aspekte Ihres Vortrages.

Dr. Christiane Hornstein vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden schließlich vermittelte einige zentrale Kriterien zur Einschätzung der Erziehungsfähigkeit von Eltern mit psychischen Erkrankungen.

In den Foren stand das zentrale Thema der Einschätzung von Kindeswohlgefährdung bei Familien mit einer psychischen oder Suchtbelastung im Zentrum des Interesses der Teilnehmer(innen) des diesjährigen Leipziger Fachkongresses. Anhand konkreter Fallbeispiele aus dem Jugendamt und der Klinik wurden sowohl die unterschiedlichen fachlichen Zugänge zu einer Einschätzung deutlich. Es konnte aber auch gezeigt werden, wie man sich dem Einzelfall annähern kann, um eine angemessene Prognose zum Schutz des Kindes zu ermöglichen.

Im anderen Forum wurde der zunehmende Einfluss von digitalen Medien auf Kinder, Jugendliche und Familien diskutiert. Gemeinsam stellten die eingeladenen Experten fest, dass man vorsichtig sein sollte mit Zuschreibungen von Sucht und Abhängigkeit. Allerdings – so zeigten sie anhand konkreter Praxisbeispiele – wiesen sie auf der Notwendigkeit weiterer medienpädagogischer Arbeit hin.

Ergänzend wurde in Workshops praxisnah auf drängende und neue Fragen aus diesem Handlungsfeld eingegangen. Die Themen Gesprächsführung mit psychisch erkrankten

Eltern, die Arbeit mit depressiven Jugendlichen oder die Beratung drogenabhängiger Schwangerer sind nur einige der Themen, die dort aufgegriffen wurden.

Fazit: Der Umgang mit psychisch und suchterkrankten Kindern, Jugendlichen und Eltern bleibt trotz der vielen Entwicklungen der letzten Jahre eine große Aufgabe. Als besonders bedeutsam für das Gelingen der Hilfen für diese Personengruppe wurde immer wieder die belastbare Zusammenarbeit der Systeme gerade bei Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung hervorgehoben: „Die Prognose ist das Ergebnis der Kooperation!“ – mit den Kindern, Jugendlichen und Eltern und zwischen den beteiligten Fachkräften.

 

 



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