Haben wir ein Problem? Das 11. Kinderschutzforum zieht Bilanz
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Haben wir ein Problem? Das 11. Kinderschutzforum zieht Bilanz

"Houston, wir haben ein Problem!" Dieser prägende Satz aus der Apollo-13-Mission stand Pate für das Motto des diesjährigen Kinderschutzforums in Essen. Mehr als 400 Besucher(innen) und über 70 Expert(inn)en gingen an drei Tagen der Frage auf den Grund: Haben wir ein Problem im Kinderschutz?

Die Ursachen für das Problem der Apollo-13-Mission waren zum einen ein Thermostat, der unter zu hoher Spannung arbeitete, sowie eine ganze Kette von Fehleinschätzungen. Arbeit unter zu hoher Spannung kennen die meisten Kolleginnen und Kollegen im Kinderschutz, und auch das Thema der Fehleinschätzung ist vielen aus der Fehleranalyse in Kinderschutzfällen vertraut. Im Zeichen einer geplanten grundlegenden Gesetzesreform muss es deshalb auch weiterhin darum gehen, sich darauf zu besinnen, worin unsere fachliche Stärke besteht – damit die Mission Kinderschutz erfolgreich bleibt!

In den Diskussionen, Vorträgen, Workshops und Pausengesprächen zeigte sich dann auch, was der Kinderschutz in Zukunft braucht:

 

Kinderschutz braucht Fachlichkeit

und keine weiteren Gesetze, die fachliches Handeln beschränken oder die zentrale Idee der Kinder- und Jugendhilfe als Schutz durch Hilfe unterminieren: Das jedenfalls war das Credo der Vorträge von Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld. Vielmehr – so die Einschätzung von Prof. Michael Nitsch von der FH München – müssen sensible Verstehensprozesse gestärkt und die Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und Familien im Vordergrund stehen, was im derzeitigen Klima von Verengung und verfahrensmäßiger Stutzung fachlicher Arbeitsprozesse immer weniger gelingt.

 

Kinderschutz braucht Kooperation

aber eben die richtige Form und die richtigen Rahmen. Wie kontrovers Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe diskutieren können, zeigten Dr. Mike Seckinger vom DJI, Dr. Ingo Franke von der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin und Norbert Struck vom Paritätischen. Hier wurde deutlich, dass Kooperation auch ein Ringen um Verständigung sein kann und dass dafür – trotz aller Sonntagsreden – noch viele Schritte zu gehen sind.

 

Kinderschutz braucht mehr Reflexion

Wie uns unsere professionellen Selbstbilder leiten, wie sie uns hindern und wie sie damit auch das bestimmen, was wir als Erfolg (und Scheitern) definieren, war Thema im Forum mit Prof. Dr. Siebolds von der Katholischen Hochschule in Köln und Prof. Dr. Thomas Klatetzki von der Universität Siegen.

 

Übrigens: Die US-Weltraumbehörde NASA bezeichnete Apollo 13 später als „erfolgreichen Fehlschlag“. Trotz der größtmöglichen Katastrophe war es gelungen, die Astronauten unversehrt zur Erde zurückzubringen, weil kluge Improvisationstalente an den richtigen Stellen im Einsatz waren. Eine ganz ähnliche Leistung vollbringen Kinderschützerinnen und -schützer in ihrer täglichen Arbeit. Viel ist noch zu tun, und vieles ist auch schon erreicht worden. Vielleicht können wir im Kinderschutz dann bald, wie in einer anderen Apollo-Mission, von kleinen Schritten und großen Sprüngen berichten.



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