“Netzwerken ist ein Schutzfaktor - für mich selbst und für meine Klienten”
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“Netzwerken ist ein Schutzfaktor - für mich selbst und für meine Klienten”

14.06.2017

Jessika Kuhl arbeitet als Diplom-Sozialpädagogin beim Deutschen Kinderschutzbund in Essen. In einem Gespräch mit den Kinderschutz-Zentren gibt sie Einblicke in ihre Arbeit und schildert, warum die Fachkonferenzen der Kinderschutz-Zentren so wichtig für ihre Arbeit sind.


Frau Kuhl, Sie arbeiten als Sozialpädagogin dem Projekt „Gesunder Auftakt- Prävention in Lebenswelten“ in Essen. Wie gestaltet sich dort ihr Arbeitsalltag?

Ich arbeite im Bereich Frühe Hilfen für Familien und Schwangere, zusammen mit einer Kollegin, die ausgebildete Familienkinderkrankenschwester ist. Es geht um Hebammenhilfe, Ressourcen, um Vernetzung und um Gesundheitsthemen wie gesunde Schwangerschaft, gesunde Familien - immer im Hinblick auf Prävention. Wir führen auch ein Elterncafe.

Was sind die häufigsten Probleme in diesen Familien, die Sie beraten?

Wir haben immer weniger Familien, die auf andere Familienmitglieder wie Großeltern zurückgreifen können, viele ziehen in Großstädte, werden dort Eltern. Und da ist es wichtig, frühzeitig soziale Netzwerke zu haben oder den Kontakt zu Ehrenamtlichen. Diese Familien wissen oft nicht, dass es Hilfsangebote gibt, weil sie schon im klassischen Alltag so eingespannt sind, dass sie es nicht schaffen, sich Unterstützung im Internet zu holen oder woanders zu suchen. Überforderung ist das größte Problem und die hohen Ansprüche an sich selbst. Manche Frauen haben es sich anders vorgestellt oder aber es kommen mehrere Geburten hinzu. Zum Beispiel, wenn Zwillinge nach den ersten Kindern folgen und dann kein soziales Netzwerk vorhanden ist. Mütter haben dann den Blick nicht mehr für ihre eigenen Ressourcen, sie bewegen sich in einer Spirale und kommen da selten alleine wieder heraus. Und da macht es Sinn, dass wir als Beraterinnen von außen drauf schauen und eine andere Perspektive in unseren Gesprächen erarbeiten.

Was beraten Sie in diesen Gesprächen konkret?

Ein großer Schwerpunkt unserer Beratungstätigkeit ist die Aufklärung über Hebammenhilfe, die ein wichtiger präventiver Gesundheitsfaktor in der Schwangerschaft ist. Wir haben da ein sehr großes Problem, denn es gibt immer weniger Hebammen, viele haben ihre Selbstständigkeit auch aufgegeben, aufgrund zu hoher Versicherungen etc. Es ist umso wichtiger, da zu informieren und sich diese Hilfe früh zu suchen, weil viele Frauen erst sehr spät darauf aufmerksam gemacht werden. Wir begleiten die Schwangeren bei der Suche, auch per Email und haben auch eine Hebammenkartei. Es ist uns wichtig, dass die Frauen da nicht passiv bleiben, sondern auch aktiv mit suchen.

Gibt es für Sie als Mitarbeiterin genügend Raum für Reflexion und Psychohygiene? Wo holen Sie sich denn Hilfe, wenn Sie unsicher sind?

Wir sind im Kinderschutz–Zentrum gut integriert und haben hier ein sehr professionelles und gut aufgestelltes Team. Wir haben Ansprechpartner, die gemeinsam mit uns darauf achten, dass bestimmte Aspekte bearbeitet werden können. Wir sind vor allem sehr gut vernetzt, zum Beispiel haben wir im Haus die Schreikindambulanz. Es gibt Schnittstellen. Wir ergänzen uns gut. Wir profitieren voneinander, weil wir auch Beratungen zusammen machen. Wir als Mitarbeiter und auch die Familien. Es ist  im Alltag unglaublich effektiv und nach einer schwierigen Beratung macht es vor allem Sinn und man merkt das bei den Familien, die noch entlastender aus dem Gespräch kommen. Ich kann das nur empfehlen so zu arbeiten, auch in Gesprächssituationen.  

Warum besuchen Sie als etablierte Fachkraft eine Weiterbildungsveranstaltung wie den Fachkongress „Nur Mut“ am 06. Und 07. Juli 2017 in Köln?

Ich war in vier Jahren schon dreimal bei den Fachkonferenzen der Kinderschutzzentren. Sie sind vielfältig, das Angebot ist gut, es sind immer spannende Themen, sie finden immer an anderen Orten statt in Deutschland, so dass es allen zugänglich ist. Die Konferenzen machen mir den Perspektivenwechsel erst möglich, weil sie oft interdisziplinär gestaltet sind. Und das ist auch ja auch das spannende in meiner Beratung.

Welche sind von besonderer Bedeutung für Ihre Arbeit?

Mich interessiert bei diesem Fachkongress vor allem der Themenkomplex über Haltung in Beratungskonzepten. Ich habe in meinem Alltag ja auch eine Haltung den Familien gegenüber. Familien wollen immer das Beste für ihre Kinder, in ihrem Rahmen und Möglichkeiten. Das ist für mich erst einmal eine Grundhaltung im Gespräch. Und dass finde ich ein spannendes Thema, sich das in diesem Kongress anzuschauen, dass sich jede Profession den Grundhaltungen bewusst sein sollte, sich selbst und Kollegen gegenüber und sie überprüfen sollte.

Dann interessieren mich die Veranstaltungen über mediatisierte Lebenswelten sehr, denn soziale Netzwerke und facebook sind auch ein Thema in unserem Elterncafe, das ich mit meiner Kollegin leite. Was poste ich z.B. über mein Kind, wie gehe ich damit um? Wir haben aber auch viele Mütter, die sich von Apps und von Informationen aus dem Internet in ihrer Mutterschaft beeinflussen lassen. Sie lassen sich nicht mehr davon leiten, was sagt mir mein Kind, sondern was sagt die App? Das Bauchgefühl der Mutter geht da immer mehr verloren. Das nimmt Einfluss auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Eine Studie kam neulich zu dem Ergebnis, dass die Kinder von Müttern die während ihr Stillen ihr Smartphone in der Hand halten, schlechter zunehmen und unruhiger sind. Es hat schon großen Einfluss und es ist so in den Alltag übergegangen, dass einige Mütter da keine kritischere Haltung akzeptieren können.

Wenn Sie sich den Titel „Nur Mut“ anschauen. Wo wünschen Sie sich mehr Mut für Ihren Arbeitsalltag?

Wir machen ja viel Netzwerkarbeit und manchmal Beratungen die nur einmal stattfinden und erhalten da kein direktes Feedback. Ich mache ja kein Produkt am Ende und kann meinen Erfolg am Ende richtig „messen“. Und da macht mir der Fachkongress einfach Mut, die Sinnhaftigkeit zu sehen.



 

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