Sexualisierte Gewalt in familiären Lebenswelten
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Aktuelles

Sexualisierte Gewalt in familiären Lebenswelten

Fachkongress in Bremen setzt auf Vernetzung und Kooperation

Es wurde voll im Mehrzweckhochhaus der Bremer Universität. Rund 180 Teilnehmer*innen füllten am Morgen des ersten Kongresstages den zentralen Hörsaal im ersten Stock bis auf den letzten Platz. Der inhaltliche Fokus unserer Tagung war bewusst auf sexualisierte Gewalt in familiären Lebenswelten gerichtet, und der große Andrang machte deutlich, dass in diesem Bereich nach wie vor ein großes Bedürfnis nach Austausch, Vernetzung und Weiterbildung besteht. Und so wurde dann auch viel und teilweise sehr kontrovers über die zahlreichen Aspekte der Thematik, alte Problemlagen und neue Herausforderungen diskutiert. Die Basis dafür lieferten die fachlich vielfältigen Vorträge und Workshops der eingeladenen Expert*innen, die sowohl das grundlegende Verständnis für die komplexen Fragestellungen sexualisierter Gewalt, als auch Ideen für konkrete Arbeitsansätze in der Praxis übermittelten.

Alte Problemlagen und neue Herausforderungen

Mit kritischem Blick analysierte etwa zu Beginn der Tagung Prof. Uwe Sielert (Universität Kiel) die Zusammenhänge von einer sich wandelnden politischen Sexualkultur mit Kinderschutz und Sexualpädagogik. Er skizzierte dabei, auch vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen, inwiefern der politische Kampf um die Definitionsmacht von Sexualität und gesellschaftliche Roll-Back-Tendenzen die professionelle Arbeit mit Kindern und Familien beeinflusst und forderte eine entschlossene Gegenhaltung. Anschließend ging es direkt in die pädagogische Praxis und die Vermittlung von Grundlagenwissen durch erfahrene Fachexpert*innen: Lucyna Wronska (Kind im Zentrum) beschrieb die komplexen Dynamiken sexualisierter Gewalt in Familien, Martin Kühn (Traumapädagogisches Institut Norddeutschland) beschäftigte sich in seinem Vortrag hingegen ergänzend mit den Themen Traumatisierung und Resilienz. Großes Interesse fand auch der Beitrag „Sexting, Grooming, Cybermobbing - Aktiver Kinderschutz in den digitalen Medien“ von Dr. Daniel Hajok (AKJM), der durch die vielen Nachfragen auch noch lange nach dem Vortragsschluss verdeutlichte, wie groß die Unsicherheit in diesem immer wichtiger werdenden Handlungsfeld ist.

Tatkraft in Kooperation

In den praxisorientierten Foren und Workshops wurden dann auf diesen Grundlagen Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie die professionelle Begleitung und Unterstützung von Kindern und ihren Familien durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfesysteme gelingen kann. Auch nach zwei intensiven Tagen war der Saal am Freitagnachmittag immer noch voll, als Tamara Luding von der Bundeskoordinierungsstelle (BKSF) mit ihrem Vortrag „Volle Kraft voraus! – Visionen für eine gelingende Unterstützung von Kindern und Familien“ zum Schluss den großen Bogen schlug und die Teilnehmer*innen motivierte, bei all den vielfältigen Herausforderungen des Themas das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, die Problemlagen gemeinsam anzugehen und wichtige Kooperationen zu stärken.



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