Kinderschutz im ländlichen Raum - Empirische Erkundungen
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Kinderschutz im ländlichen Raum - Empirische Erkundungen

Pia (7 Jahre) wohnt mit ihrer Mutter und den drei  älteren Geschwistern in einem Dorf zwischen der 15 km entfernten Kreisstadt und dem 20 km entfernten großstädtischen Oberzentrum. Während  die alleinerziehende Mutter im Schichtdienst einer Molkerei arbeitet, passt ein Onkel auf die Kinder auf – und missbraucht Pia immer wieder.  Sie traut sich lange Zeit nicht, jemanden davon zu erzählen, denn der Onkel ist allseits bekannter und beliebter Schützenkönig. Als Pia sich schließlich doch ihrer Mutter anvertraut, stößt sie auf Abwehr.  Nichts will die Mutter unternehmen. Sie braucht doch den  Schwager, der als Einziger die kleine Familie unterstützt. Sie fürchtet, bei Verwandten und in der Gemeinde als Nestbeschmutzerin dazustehen und ausgeschlossen zu werden. Also schweigt Pias Mutter. Als aber auch Pias 13jährige große Schwester von länger zurückliegenden sexuellen Übergriffen durch den Onkel berichtet, bricht die Mutter zusammen. Eine Nachbarin springt ein und hilft, wo sie kann. Trotzdem muss die Mutter eingestehen, dass ihre kleine Familie professionelle Hilfe benötigt. Doch wie soll das gehen? Die nächste Beratungsstelle ist 20 km weit entfernt. Ein Bus fährt nur zweimal am Tag, morgens und abends. Teure Autofahrten kann sich die Mutter bei den hohen Benzinpreisen nur zur Arbeit leisten. Und wer passt dann auf die Kinder auf, jede Woche? Überhaupt, wie soll die Mutter arbeiten, wenn der Onkel nicht mehr hilft? Was sagt die Familie, was die Schützengemeinde, wenn die Anschuldigungen ans Tageslicht gelangen? Kann die Mutter dann noch zum Sportverein gehen, der einzigen Freizeitaktivität, die sie sich leistet? Wie soll es weiter gehen?

Mit solchen Fragen sind von (sexueller) Gewalt Betroffene im ländlichen Raum häufig allein gelassen. Die Kinderschutz-Zentren wollen das nicht akzeptieren und suchen im Rahmen des Modellprojektes „Kinderschutz im ländlichen Raum“ nach Lösungen. In fünf Regionen (Kulmbach, Oldenburg, Ostalb, Rheine, Westküste) starten die dort ansässigen Kinderschutz-Zentren eine neue Aktion: Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend werden Diskurse mit Fachleuten und Institutionen aus den strukturschwachen ländlichen Räumen organisiert, um gemeinsam Hilfekonzepte zu entwickeln. Ziel ist der strukturelle Aufbau von Netzwerken für den Kinderschutz. Das Modellprojekt soll zunächst über drei Jahre laufen.



 

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