7. Kinderschutzforum 2008
Die Jugend(hilfe) von heute – Helfen mit Risiko

17. bis 19. September 2008 in Köln

Gefördert durch:

und


1. Das Kinderschutzforum als Instrument der Qualitätssicherung einer modernen Jugendhilfe
Das alle zwei Jahre stattfindende Kinderschutzforum bietet eine fachliche Plattform für einen breiten Austausch zur Qualitätssicherung der modernen Jugendhilfe und hat sich zu einem zentralen Kinderschutzkongress in Deutschland entwickelt. Die vorangegangenen sechs Kongresse haben verdeutlicht, dass die Praxis des Kinderschutzes und der Jugendhilfe die wissenschaftliche Forschung und Reflexion dringend benötigt. In Form von Fachforen, Workshops und Einzelvorträgen wird auch beim 7. Kinderschutzforum im Jahr 2008 über methodische und fachliche Probleme berichtet und diskutiert werden. Im Dialog zwischen Wissenschaft und Hilfepraxis werden Strukturen und Funktionsweisen der Jugendhilfe erörtert, interdisziplinäre Kooperationen befördert, neue Hilfeansätze vorgestellt sowie Handlungskompetenzen entwickelt.
2. Ziele und Schwerpunkte des 7. Kinderschutzforums
Als Thema des Kinderschutzforums 2008 wurde mit Bedacht eine Zielgruppe im Bereich der Jugendhilfe und des Kinderschutzes gewählt, die in der Fokussierung auf das Thema `Frühe Hilfen` der letzten Jahre vernachlässigt wurde: Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren.[1] Im Unterschied zur oft unfachlichen Berichterstattung in den Medien, die sich auf Schuldzuschreibungen an angeblich unfähigen Eltern und eine Kriminalisierung von Jugendlichen verengt, ist es das Ziel des dreitägigen Fachkongresses ein authentisches Bild der Situation von Jugendlichen und ihren Familien zu zeichnen. In diesem thematischen Kontext wird – neben pubertätsspezifischen Fragestellungen – insbesondere die Ambivalenz `gefährdete Jugendliche – gefährliche Jugendliche` von zentraler Bedeutung sein.
Zudem werden die Risikokonstellationen von HelferInnen in den Blick genommen, die sich aus Verunsicherungen, Überforderungen und Überlastungen ergeben. Haltungen und Einstellungen der Helferinnen und Helfer in Bezug auf Ihre Klientel werden kritisch reflektiert.
In der fachpolitischen Diskussion zur Jugendhilfe wird zu erörtern sein, wie eine funktionierende Jugendhilfe gestaltet sein muss und wie sich - im Unterschied dazu - die Jugendhilfe in der gegenwärtigen Praxis ausformt.

Im Detail wird es beim siebten Kinderschutzforum um das Verstehen jugendlicher Lebenswelten gehen sowie um Angebote der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens für hochbelastete Jugendliche und ihre Familien. In diesem Zusammenhang wird der Frage nachgegangen werden, wie Jugend als Phase der Autonomiegewinnung bei gleichzeitigem Bindungsbestreben in Zeiten einer Risiken generierenden Individualisierung gelingen kann – und dies unter strukturellen Bedingungen von sozialer Armut und einer problematischen Arbeitsmarktsituation in der Übergangsphase von der Schule zum Berufsleben.

Auch wird die fachthematische Bedeutung der Medien in den Blick genommen, d.h. der Medienkonsum Jugendlicher, der z.T. grenzverletzendes Verhalten befördert.
Der Fachkongress soll einen Beitrag dazu leisten, Helferinnen und Helfer, die im Hinblick auf die jugendliche Zielgruppe irritiert sind, handlungsfähiger zu machen. In diesem Kontext ist das Verstehen eine wesentliche Voraussetzung für das Handeln in der Jugendhilfe und im Kinderschutz speziell. Wenn Helferinnen und Helfer beispielsweise für deviante, autoaggressive oder drogenabhängige Jugendliche kompetente Hilfen erbringen wollen, müssen sie die Lebenswelt und jeweilige Situation ihres Klientels kennen und nachvollziehen können, um auf dieser Grundlage fachmethodisch adäquat zu handeln.
Veränderte Gesellschaftsbedingungen im Sinne einer Individualisierung und lebensweltlichen Pluralisierung, von der insbesondere die Zielgruppe der Jugendlichen betroffen ist, stellen neue Herausforderungen an die im Kinderschutz Tätigen. Das aus Individualisierungsprozessen resultierende Erodieren fester, sozialer Bindungszusammenhänge ist hierbei ein zentraler Aspekt. Ein weiterer individualisierungsbedingter Aspekt ist die Anforderung an den Einzelnen, selbstbestimmt zu handeln, und sich die Ergebnisse dieses Handelns persönlich zuzuschreiben. Jugendliche, denen es misslingt, das Risiko kompetent zu managen, und so ein demütigendes Scheitern an der gesellschaftlichen Realität erleben - in Schule, beruflichen Kontexten und/oder sozialen Beziehungen -, sind schließlich anfällig dafür, gewalttätig oder selbstzerstörerisch zu handeln. Ob die Jugendhilfe für diese `Verlierer der Risikogesellschaft` und Ihre Eltern geeignete Angebote bereitstellt, wird beim Kinderschutzforum thematisiert und diskutiert werden. Hieran inhaltlich anschließend wird zudem auf die z.T. spezifische Situation von Jugendlichen in Familien mit Migrationshintergrund eingegangen.
Der Fachkongress zeigt Hilfezugänge und Handlungsmöglichkeiten auf, die Kinder schützen und Familien unterstützen. In diesem Kontext werden auch Kenntnisse und Erfahrungen im Hinblick auf eine professionelle, institutionelle Kooperation ausgetauscht und vermittelt.

Im Kontext der politisch-rechtlichen Vorgaben wird neben einer Analyse der gegenwärtigen Situation von Experten des Kinderschutzes ein Ausblick gewagt. Welche fachlichen Entwicklungen im Kinderschutz sind absehbar und welche unter Qualitätsgesichtpunkten wünschenswert? Welche gesellschaftspolitischen Themen stehen auf der Agenda der medialen Meinungsbildung ganz oben und welche sollten in näherer Zukunft an Aktualität gewinnen? Ergeben sich in diesem Kontext neue Möglichkeiten für den Kinderschutz?
3. Zur Aktualität und zum Praxisbezug des Kinderschutzforums
4. Adressaten des 7. Kinderschutzforums
Das Kinderschutzforum 2008 richtet sich an MitarbeiterInnen der öffentlichen und freigemeinnützigen Jugendhilfe, an die Kooperationspartner der Sozialarbeit im medizinischen, pädagogischen und therapeutischen sowie juristischen Berufsfeld, an MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und an niedergelassene TherapeutInnen. Angesprochen werden sollen auch WissenschaftlerInnen, Lehrkräfte und Studierende in den Hochschulen und in der Fort- und Weiterbildung.


 [1]  Bei einem Blick auf die In-Anspruchnahme von erzieherischen Hilfen wird deutlich, dass bei den Familien mit minderjährigen Kindern die Familien mit 9- bis 17-Jährigen eine 2/3-Mehrheit bilden: 67% in 2005
(Quelle: Statistisches Bundesamt).