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Pressemitteilung zum Kinderschutzforum 2006

Lebensbedingungen in Deutschland gefährden das Wohl unserer Kinder

Die Zahl der durch Arbeitslosigkeit und soziale Isolation entmutigten Familien steigt. Armut, Perspektivlosigkeit, Selbstwertverlust, psychische Erkrankungen und Depression der Eltern belasten das Aufwachsen der Kinder.

Dies ist die zentrale Aussage des diesjährigen Kinderschutzforums in der Universität zu Köln vom 13.-15.September.

Gründe sehen die Fachleute vor allen Dingen in der Tatsache, dass zunehmend mehr Familien in Armutsverhältnisse absteigen. Nicht nur der Mangel an Geld, sondern das Gefühl, keinen Platz in dieser Gesellschaft zu haben und als Leistungsempfänger zudem misstrauisch beäugt zu werden, führen zu innerem Rückzug, zu inneren Krisen und Erkrankungen, zu Isolation und Resignation.

Nur noch knapp 60 % der Bevölkerung im Alter bis zu 30 Jahren leben in sicher empfundenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Rund 20 % dieser Altersgruppe befinden sich in unstabilen und unsicheren Lebensverhältnissen und weitere 20% leben in Armut.
Fast 54% der Facharbeiterfamilien mit drei und mehr Kindern leben in prekären und von extremer Armut gekennzeichneten Lebensverhältnissen.

"Die Risikokonstellation für Kindesvernachlässigung und Kindeswohlgefährdung nimmt zu und wird drastisch steigen. Sozialer Abstieg bedeutet nicht nur Verzicht auf Konsum, Urlaub und Auto, sondern geht eng einher mit dem Verlust von Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein. Die Konsequenzen sind ein Gefühl von Resignation und Versagen, das sich negativ auf die Handlungs- und Erziehungskompetenz vieler Eltern auswirkt", so Arthur Kröhnert, Bundesgeschäftsführer der Kinderschutz-Zentren in Deutschland.

Die Kinderschutz-Zentren weisen auf die Daten des Statistischen Bundesamtes hin.
Im Zeitraum von 1999-2004 ist die Rate der Familien, die eine sozialpädagogische Familienhilfe in Anspruch genommen haben, um 61 % (27413 Familien) gestiegen.
Bedenklich sind die Gründe für die Hilfe. Im genannten Zeitraum gab es einen Anstieg bei:

Überschuldungplus 32%
Wohnungsproblemeplus 50%
Entwicklungsauffälligkeiten der Kinderplus 63%
Vernachlässigungplus 64%
Erziehungsschwierigkeitenplus 69%

Hinter jeder dieser Zahlen verbergen sich dramatische Einzelschicksale von Kindern.
Nach den Gesetzesreformen der letzten Jahre müssen Fachleute in den pädagogischen, sozialen und medizinischen Diensten so qualifiziert und ausgestattet werden, dass sie Gefährdung von Kindern erkennen können, mit den Eltern über ihre Sorge qualifiziert reden können und sie zur Annahme von Hilfen motivieren können.
Für die Arbeit mit hoch belasteten Familien fordern Die Kinderschutz-Zentren für den Bereich der Jugendhilfe:

  • Die Qualifizierung aller pädagogischen Mitarbeiter in Fragen des Schutzauftrages entsprechend dem neuen § 8a im Kinder- und Jugendhilfegesetzes
  • Den Ausbau von frühen Hilfen, um Eltern in Risikosituationen frühzeitig und vertrauensvoll zu erreichen
  • Eine Vernetzung zwischen Familien- und Jugendhilfe, Gesundheits- und Bildungssystem und die Entwicklung interdisziplinärer Handlungskonzepte
  • Mit dem Kinderschutzforum - finanziert vom Bundesjugendministerium und dem Ministerium für Generationen des Landes NRW- leisten Die Kinderschutz-Zentren einen fachpolitischen Beitrag. U.a. werden Modellprojekte vorgestellt und unterschiedliche Professionen als Kooperationspartner zum Wohle der Kinder zusammengeführt.