Zuerst der Mensch…!?
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Zuerst der Mensch…!?

Prof. Ursula Stinkes (PH Ludwigsburg) erreichte mit ihrem Vortrag auf dem Stuttgarter Inklusionskongress der Kinderschutz-Zentren die anwesenden Expert(inn)en. Hier wurde nicht über eine große oder gar keine Lösung gesprochen, sondern zunächst die Sicht auf den einzelnen Menschen in den Vordergrund gerückt. Es ging um eine professionelle Einstellung und die Erkenntnis und Akzeptanz der Einzigartigkeit jedes Menschen. Es ging aber auch um die (An)Erkennung des Besonderen, das jeden Menschen auszeichnet und über das Helfer(innen) nicht hinwegsehen dürfen, da sie sonst ihrer professionellen Verantwortung nicht gerecht werden.

Um die sogenannte große Lösung, wie, warum, wann und ob sie kommen wird, ging es auf diesem Kongress natürlich auch. Sowohl in dem fachlich sehr detaillierten Vortrag von Fachanwältin Gila Schindler (sojura-Heidelberg) als auch in dem Fachgespräch zwischen Dr. Hans Ulrich Krause (Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg e.V.) und Holger Gläss (ASD-Leiter; Rems-Murr Kreis), wurden Lösungsmöglichkeiten mit Expert(inn)en aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie vielen Fachleuten aus der Behindertenhilfe intensiv erörtert. Allerdings beschlich den Beobachter hin und wieder das Gefühl, dass es in den Debatten eher um Finanzierungsfragen und formale Zuständigkeiten als um Lösungen für Kinder mit Beeinträchtigungen geht. Ein Gefühl, das nicht die Referent(inn)en mit ihren sehr eindeutigen Aussagen zu verantworten haben, sondern das sich durch den Eindruck ergibt, dass Politik und Verbände sich nicht auf einen Konsens im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention verständigen können.

Das ein gemeinsamer Weg nicht nur gegangen sondern auch erfolgreich praktiziert werden kann, wurde in den Expertengesprächen deutlich. Sowohl freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe und der Behindertenhilfe als auch kleinere Kommunen haben sich schon auf den Weg gemacht, die angestrebte große Lösung im Kleinen umzusetzen. Das lässt hoffen.