Etwa 3,8 Millionen Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil
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Aktuelles

Etwa 3,8 Millionen Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil

Oldenburger Fachkongress 2019

Am 28. und 29. November 2019 fand in Oldenburg der Kinderschutz-Fachkongress „Psychische Erkrankungen in der Familie – Dynamiken, Hilfen, Handlungsmöglichkeiten“ statt. Zwei Tage lang haben sich über 20 Referent*innen und etwa 200 Teilnehmer*innen mit diesem anspruchsvollen Thema auseinandergesetzt. Auf der Fachtagung hatten alle Interessierten die Möglichkeit ihr Wissen zum Thema auf den neusten Stand zu bringen und die Erkenntnisse und Erfahrungen weiterer Arbeitsfelder kennenzulernen; insbesondere der Austausch zwischen den Fachkräften stand im Fokus.

 

Etwa 3,8 Millionen Kinder wachsen mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf

 

In Deutschland wachsen geschätzt etwa 3,8 Millionen Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Psychische Erkrankungen und Belastungen von Eltern wirken auf das gesamte Familiensystem. Vor allem aber haben die psychischen Erkrankungen der Eltern Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Kinder und ihrer Entwicklung.

Auf dem Fachkongress thematisierten unter anderem Dr. Christiane Deneke, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, die Entwicklungsrisiken in der frühen Kindheit mit einem psychisch kranken Elternteil. Das Erkrankungsrisiko sei komplex bedingt: die genetisch-biologische Vulnerabilität, die erhöhte psychosoziale Belastung der meisten betroffenen Familien und die Belastung durch einen erkrankungsbedingt beeinträchtigten elterlichen Umgang mit den Kindern tragen dazu bei. Klaus Ter Horst vom Eylarduswerk legte gemeinsam mit Dr. Dorothee Veer in Forum 2 den Fokus auf die Problematik der Alkoholabhängigkeit in der Schwangerschaft und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung des Kindes. Hervorgehoben wurden die Sensibilisierung und das Grundverständnis für die Schädigung. Auffälliges Verhalten von Kindern suchtkranker Eltern ist als eine Folge der Hirnschädigung und als Überforderung zu verstehen und darf nicht als Boshaftigkeit oder ein Ergebnis falscher Erziehung gewertet werden.

 

Sensibilisierung und Grundverständnis

 

Nebst der Vorträge und Foren hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit thematische Schwerpunkte in den praxisorientierten Workshops zu vertiefen. In Workshop 8 ging es beispielsweise um die erfolgreiche Kooperation bei Familien mit psychischen Erkrankungen, der von Maren Kleber aus dem Kinderschutz-Zentrum Gütersloh geleitet wurde. Im Blickpunkt stand die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Jugendamt die anhand bereits bestehender Vernetzungen thematisiert wurde. Die Teilnehmer*innen hatten in diesem Rahmen die Möglichkeit eigene Erfahrungen/Visionen/Wünsche zu thematisieren und sich mit Fachkräften aus anderen Einrichtungen auszutauschen.

 

Vom Bundstag eingesetzte interdisziplinäre Arbeitsgruppe 

 

Die unterschiedlichen Facetten dieses Themas und der gegenwärtige Forschungsstand standen im Zentrum der Vorträge beim Oldenburger Fachkongress. Es wurde deutlich, dass es in der Praxis bereits bewährte Modelle der Familienarbeit gibt, sie aber noch keinen angemessenen rechtlichen Rahmen haben, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Mit Spannung werden daher die Ergebnisse der vom Bundestag eingesetzten interdisziplinären Arbeitsgruppe erwartet, die dazu umfassende Vorschläge machen soll. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Psychische Erkrankungen in der Familie - Hilfen ganzheitlich familienorientiert anbieten (Quelle: Kinderschutz-Zentrum Oldenburg)

 

 



 

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