PKS 2019 – Starker Anstieg bei Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen
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PKS 2019 – Starker Anstieg bei Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Am 24. März hat das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2019 vorgestellt. Im Deliktbereich der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind die Fallzahlen mit 13.670 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr (12.321 Fälle in 2018) um fast 11 Prozent gestiegen. Da die PKS das Hellfeld der polizeilich ermittelten Straftaten widergespiegelt, muss diese Zunahme jedoch nicht unmittelbar einen Anstieg der tatsächlichen Delikte bedeuten. So könnten beispielsweise auch eine größere Sensibilität und ein verändertes Anzeigeverhalten zu den Veränderungen führen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Fallzahl im Dunkelfeld wesentlich höher liegt, da gerade im Bereich des sexuellen Missbrauchs an Kindern ein Großteil der begangenen Straftaten nicht zur Anzeige gebracht wird.

Kinderschutz im Internet gewinnt an Bedeutung

Ganz deutlich wird in den neuen Zahlen allerdings die immer weiter steigende Bedeutung der digitalisierten Lebenswelt für den Kinderschutz. So gab es, wie bereits in den Vorjahren, einen weiteren Anstieg des „Tatmittels Internet“ im Kontext der Fälle sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen um knapp neun Prozent auf insgesamt 1.911 Fälle (1.754 Fälle in 2018). Die Zahl der polizeilichen Ermittlungsverfahren aufgrund der Verbreitung, des Erwerbs, dem Besitz und der Herstellung von Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen[1] stieg mit 12.262 Fällen sogar um 65 Prozent (7.449 Fälle in 2018) an. Der Bedarf an der Entwicklung von digitalen Schutzkonzepten sowie einem modernisierten Jugendmedienschutz wird durch diese Zahlen also nachdrücklich unterstrichen. 

Sexualisierte Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen im Brennpunkt 

Und noch ein weiterer Trend bestätigt sich in der aktuellen PKS. Für die Altersgruppe der 14 bis 18-jährigen Tatverdächtigen weist sie mit 8.722 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung  einen Anstieg um 42 Prozent (6122 Fälle in 2018) und bei den unter 14-jährigen mit 3.619 Fällen sogar um 70 Prozent (2.118 Fälle in 2018) aus. Auch im Tatkontext sexueller Missbrauch gab es in beiden Altersgruppen einen erneuten Anstieg der Fallzahlen, bei den 14 bis 18-jährigen Tatverdächtigen um 12 Prozent auf 2.318 (2.060 Fälle in 2018) und bei den unter 14-jährigen um 25 Prozent auf 1.051 (840 Fälle in 2018). 

Die Kinderschutz-Zentren greifen diese aktuellen Entwicklungen auf

Dies verdeutlicht, dass sexualisierte Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen kein Randphänomen sind, sondern überall dort auftreten, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten, gemeinsam leben und betreut werden. Auf der für Ende März geplanten Jahrestagung 2020 zum Thema Sexuelle Gewalt, wollten die Kinderschutz-Zentren daher einen fachlichen Austausch über Handlungsmöglichkeiten in diesem herausfordernden Themenfeld ermöglichen. Die Konferenz wird aufgrund der Corona-Krise, die das Risiko der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen zusätzlich verstärkt[2], im Frühjahr 2021 nachgeholt. 

 

Kommentar zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2018


[1]Sog. Kinderpornografische Schriften nach §184b StGB, wir empfehlen die Verwendung einer angemessenen Sprache nach dem Terminologischen Leitfaden für den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexualisierter Gewalt, online unter https://www.terminologie.ecpat.de/

 



 

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