Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg: Kinderschutzarbeit in ländlichen Regionen
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Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg: Kinderschutzarbeit in ländlichen Regionen

Kinderschutzarbeit in ländlichen und strukturschwachen Regionen ist mit spezifischen Problemstellungen konfrontiert. Eine besondere Dynamik aus nachteiligen sozio-demographischen Struktur- und Versorgungsbedingungen, brüchigen Familienkonstellationen und wachsender Armut kann als eine verstärkende Ursache für Gewalt an Kindern und Jugendlichen betrachtet werden (vgl. Heinitz/Herschelmann 2014). Gleichzeitig halten sich tradierte Familienvorstellungen und Wertorientierungen in den dörflichen Gemeinschaften, sodass Fragen von Gewalt im familiären Kontext noch immer stark tabuisiert werden und Hilfeangebote nur schwer und hochschwellig zu erreichen sind.

Für die Kinderschutzpraxis erwachsen damit neue bzw. erweiterte Handlungsbedarfe, auf die mit hoher Fachlichkeit, innovativen Konzepten und unterschiedlichen Angeboten reagiert werden muss.

Hinzu kommen gerade hier erhebliche Lücken in der Versorgung mit gewaltspezifischen Angeboten (vgl. dazu Kavemann/Rothkegel 2012 und zuletzt Igney/Monz 2020). Diese Problematik stand am Ausgangspunkt des Modellprojektes „Kinderschutz in ländlichen Räumen“ der Kinderschutz-Zentren, das sich an unterschiedlichen Standorten bundesweit mit den Bedarfen und Besonderheiten der Kinderschutzarbeit in ländlichen und strukturschwachen Regionen befasste und darauf zielte, konkrete Praxisverbesserungen und -entwicklungen anzustoßen (vgl. Heinitz/ Herschelmann 2014). Die darin erzielten Erkenntnisse und Ergebnisse waren wichtige Auslöser zur Entwicklung des Kinderschutz-Zentrums Ostholstein-Segeberg (OHSE). Mit diesem regional übergreifenden Arbeitsansatz ist es gelungen, eine Einrichtung über Träger- und Landkreisgrenzen hinweg zu entwickeln und somit teils quer zu den bestehenden Versorgungsstrukturen, insbesondere denen der Kinder- und Jugendhilfe in unterschiedlichen Landkreisen und Sozialräumen zu verankern.

Eine weitere bedeutsame fachpolitische Grundlage für die Entstehung des Kinderschutz-Zentrums Ostholstein-Segeberg lieferte der Koalitionsvertrag der damalig verantwortlichen Landesregierung aus dem Jahr 2012, der die Weiterentwicklung des Kinderschutzes allgemein und den Ausbau von Kinderschutz-Zentren im Besonderen als wichtige Aufgaben beschreibt.

Auch aus dem zweiten Kinderschutzbericht des Landes und der Stellungnahme der Landesregierung vom 23.02.2016 hervor, dass vor allem der Kinderschutz in ländlichen Regionen unterstützt und gefördert werden soll. Das Kinderschutz-Zentrum Ostholstein-Segeberg hat sich seitdem als festes Angebot verstetigt. Die Träger der Einrichtung, die DKSB Segeberg gGmbH und der Deutsche Kinderschutzbund Kreisverband Ostholstein e. V. in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund Heiligenhafen e. V., waren bereits mit jeweils unterschiedlichen Leistungen und Schwerpunktsetzungen im Bereich des Kinderschutzes in den Regionen Segeberg und Ostholstein erfolgreich tätig.

Die bestehenden Leistungen sollten nun in der gesamten Region und unter dem Dach des neuen Kinderschutz-Zentrums Ostholstein-Segeberg gebündelt, ausgebaut und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Begleitet wurde der Prozess vom Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren.

→ Der vorliegende Bericht beschreibt Entwicklungen, Konzept und fachliche Schlussfolgerungen, die aus der gemeinsamen Arbeit in der Entwicklungsphase (2017-2020) gezogen werden und auch als Hinweise für die Arbeit in anderen Regionen dienen können.



 

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