40 Jahre Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren
Rückblick, Würdigung und Ausblick
Mit einem festlichen Abend in den Rheinterrassen in Köln feierte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren am 22. April 2026 ihr 40-jähriges Bestehen. Wegbegleiter*innen, ehemalige und aktuelle Mitarbeiter*innen, Kooperationspartner*innen sowie langjährige Unterstützer*innen kamen zusammen, um auf vier Jahrzehnte engagierter fachlicher Arbeit im Kinderschutz zurückzublicken und gemeinsam in die Zukunft zu schauen.
Die Feier war geprägt von persönlichen Begegnungen, Erinnerungen an gemeinsame Entwicklungen und dem Bewusstsein, dass die Geschichte der Kinderschutz-Zentren zugleich eine Geschichte fachlicher und gesellschaftlicher Veränderungen im Kinderschutz ist. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Der familien- und hilfeorientierte Kinderschutz, für den Die Kinderschutz-Zentren seit ihrer Gründung stehen, hat die Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig geprägt.
Vom eingriffsorientierten zum hilfeorientierten Kinderschutz
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren wurde 1986 als bundesweiter Dach- und Fachverband gegründet. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis in die 1970er Jahre zurück: Mit dem ersten Kinderschutz-Zentrum in Berlin entstand 1975 ein neuer fachlicher Ansatz, der sich bewusst von einem rein eingriffs- und sanktionsorientierten Verständnis von Kinderschutz abgrenzte.
Statt Kontrolle und Schuldzuweisung rückten Hilfe, Beziehung und Beteiligung in den Mittelpunkt. Diese Haltung prägt die Arbeit der Kinderschutz-Zentren bis heute.
Die Entwicklung dieses modernen, hilfeorientierten Kinderschutzes war eng verbunden mit gesellschaftlichen Debatten über Gewalt, Autorität, Kinderrechte und soziale Ungleichheit. Früh machten Die Kinderschutz-Zentren deutlich, dass Gewalt gegen Kinder nicht allein individuelles Fehlverhalten ist, sondern immer auch in gesellschaftlichen Bedingungen und Belastungen eingebettet betrachtet werden muss.
Impulse für Fachpraxis, Politik und Wissenschaft
In den vergangenen vier Jahrzehnten hat die Bundesarbeitsgemeinschaft zahlreiche fachliche Entwicklungen angestoßen und begleitet. Viele heute selbstverständliche Grundsätze der Kinder- und Jugendhilfe – etwa Hilfeorientierung, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, interdisziplinäre Zusammenarbeit oder ressourcenorientiertes Arbeiten – wurden von den Kinderschutz-Zentren frühzeitig vertreten und in die fachpolitische Diskussion eingebracht.
Auch an wichtigen gesetzlichen Entwicklungen war die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren beteiligt – unter anderem im Zusammenhang mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, dem Bundeskinderschutzgesetz oder dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz. Mit Stellungnahmen, Fachkongressen, Fortbildungen und Qualifizierungsangeboten wirkte sie kontinuierlich daran mit, Kinderschutz fachlich weiterzuentwickeln und praxisnah zu gestalten.
Besondere Bedeutung hatten dabei immer wieder Themen, die lange zu wenig Aufmerksamkeit erhielten oder kontrovers diskutiert wurden: Vernachlässigung, sexuelle Gewalt, Partnerschaftsgewalt, Frühe Hilfen, Kinderschutz in Institutionen oder aktuell auch Kinderschutz im digitalen Raum.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren als Dachverband aller Kinderschutz-Zentren in Deutschland verstehen und verstanden sich dabei immer als Ort fachlicher Reflexion, gesellschaftlicher Einmischung und politischer Verantwortung.
Kinderschutz bedeutet Beziehung und Beteiligung
Ein zentrales Merkmal der Arbeit der Kinderschutz-Zentren ist bis heute die Überzeugung, dass wirksamer Kinderschutz nur gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Familien gelingen kann. Beziehung, Transparenz, Beteiligung und die Orientierung an den Lebenswelten der Familien sind grundlegende Prinzipien der Arbeit geblieben – auch unter zunehmend komplexen gesellschaftlichen Bedingungen.
Damit haben sich die Anforderungen an den Kinderschutz in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert: psychosoziale Krisen, wachsende Belastungen von Familien, Fachkräftemangel, digitale Lebenswelten und neue gesellschaftliche Unsicherheiten stellen Fachkräfte täglich vor große Herausforderungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren bringt diese Entwicklungen kontinuierlich in fachliche und politische Diskussionen ein und setzt sich dafür ein, dass Kinder, Jugendliche und Familien unter familienfreundlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen leben können und auch künftig verlässliche Unterstützung erhalten.
Dank an alle Wegbegleiter*innen
Das 40-jährige Jubiläum war deshalb nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch Ausdruck großer Dankbarkeit. Viele Menschen haben die Arbeit der Kinderschutz-Zentren über Jahrzehnte begleitet, mitgestaltet und unterstützt – in den Zentren selbst, in Jugendhilfe, Politik, Wissenschaft, Medizin, Justiz, Bildung und Zivilgesellschaft.
Ihnen allen gilt ein herzlicher Dank.
Dank an die Gründer*innen und Pionier*innen, die den Mut hatten, neue Wege im Kinderschutz zu gehen. Dank an die vielen Fachkräfte, die sich mit großem Engagement für Kinder, Jugendliche und Familien einsetzen. Dank an die Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen, die die Arbeit der Kinderschutz-Zentren über viele Jahre begleitet haben.
Und nicht zuletzt: Ein großer Dank an alle Kinder, Jugendlichen und Familien, die den Kinderschutz-Zentren ihr Vertrauen schenken.
Die vergangenen 40 Jahre haben gezeigt, wie wichtig fachlich fundierter, beteiligungsorientierter und solidarischer Kinderschutz ist. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren wird sich auch künftig dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche geschützt aufwachsen können und Familien Unterstützung erhalten – verlässlich, respektvoll und gemeinsam mit ihnen.
1975 wurde in Berlin das erste Kinderschutz-Zentrum gegründet – mit dem Ziel, Kinderschutz neu zu denken: hilfeorientiert, beteiligend und gemeinsam mit Familien. Aus dieser Bewegung entstand 1986 die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren als bundesweiter Dach- und Fachverband. Heute vereint sie 32 Kinderschutz-Zentren in ganz Deutschland, fördert den fachlichen Austausch und setzt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung eines modernen Kinderschutzes in Praxis, Wissenschaft und Politik.
