Fachkongress in Leipzig: Die vielen Facetten familialer Gewalt und Möglichkeiten der Hilfe
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Fachkongress in Leipzig: Die vielen Facetten familialer Gewalt und Möglichkeiten der Hilfe

Familiale Gewalt hat viele Formen und Facetten, unterschiedliche Ursachen und Auslöser. Fälle von Gewalt in Familien setzen auch bei den Fachkräften extreme Emotionen frei, Gewalt in der Familie spaltet die Sichtweisen und die Verantwortungen der Beteiligten, Gewalt in Familien polarisiert, engt die Handlungsmöglichkeiten ein und frisst Ressourcen.

Mit dem etwas doppeldeutigen Titel „GEWALTige Familien“ konnten wir beim diesjährigen Leipziger Fachkongress der Kinderschutz-Zentren Risiken und Problemkonstellationen in Familien in den Blick nehmen, die zu familialer Gewalt führen können. Gleichzeitig ist es gelungen, Hilfemöglichkeiten aufzuzeigen, die an den Ressourcen und Stärken der Eltern ansetzen und Rahmenbedingungen für professionelles Handeln aufzuzeigen.

Die 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bundesgebiet konnten vielfältige Anregungen und Ideen für ihre Praxis diskutieren und gemeinsam nach neuen Wegen suchen.

Der Vortrag von Dr. Maike Pellarin (AHG Klinik für Kinder und Jugendliche Beelitz-Heilstätten) ermöglichte einen Blick auf die Folgen von Gewalt aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht. Dabei stand das Verstehen für das Erleben und Verhalten der Kinder im Vordergrund.

 

Der Vortrag von Dr. Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut München zeigte eindrucksvoll den Stand der aktuellen Forschung. Unter anderem stellte er dar, dass Hilfen bei Vernachlässigung oftmals nicht ausreichend für die damit verbunden Problemstellungen sind. Langfristigkeit, Kontinuität und die stärkere Einbeziehung von Kindern in Risikoeinschätzung und Hilfeplanung sind nach wie vor zu wenig im Blick und werden durch das Hilfesystem bislang nicht verlässlich gewährleistet.

 

Den Schlusspunkt des ersten Tages setzte Alexandra Bielecke von der Institution „Zusammenwirken im Familienkonflikt“ aus Berlin. Der Vortrag zeigte, dass man über das schwere Thema der Hochstrittigkeit und der Folgen für die Kinder auch anregend und lebendig sprechen kann und wie Beratungsprozesse von einer guten Portion Selbstreflexion ausgehen und gelingen können.

 

Im nachfolgenden Forum und den weiteren Workshops gelang es den Referent*innen, praktische Anschlüsse an die Vorträge herzustellen und insbesondere an vertiefenden Fallbeispielen zu diskutieren.

 

 

 

 

Heike Dietze, Jugendamt Leipzig; Ursula Funke, Kinderschutz-Zentrum Westküste; Stefan Heinitz, Die Kinderschutz-Zentren

 

 

Der zweite Kongresstag begann mit einem Vortrag von Ulrich Kaulen (selbstständiger Supervisor und systemischer Berater) und zeigte „hilfreiche Hilfen“ in Fällen sexualisierter Gewalt auf. Und er machte deutlich, wie insbesondere das Sprechen über Sexualität unser Handeln prägt.

 

Im Schlussvortrag widmete sich Ralf Slüter (Geschäftsführer des DKSB Landesverbandes Hamburg und langjähriger Leiter des Kinderschutz-Zentrums Hamburg-Harburg) dem wichtigen und bisher noch zu wenig fachlich bewusst behandelten Thema der Partnerschaftsgewalt und den Folgen für die Kinder. Dabei zeigte er die beziehungsdynamische Verstrickung der Partner als auch Kriterien zur Einschätzung des Gefährdungsrisikos der Kinder auf.

Als Fazit und bleibende Erkenntnisse lässt sich bündeln: Gewalt in der Familie hat viele Ursachen und Formen und braucht noch stärker die fachliche Auseinandersetzung, damit Hilfen auch langfristig wirksam sind. Die Kinderschutz-Zentren werden sich zu diesem wichtigen Handlungsfeld weiter engagieren und gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern nach Lösungen suchen. Fachpolitik in Bund, Land und Kommunen muss dieses wichtige Thema noch stärker auf die Agenda nehmen!



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