Zwischenruf der Mitgliederversammlung der Kinderschutz-Zentren
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Aktuelles

Zwischenruf der Mitgliederversammlung der Kinderschutz-Zentren

Köln, 25. November 2020 – Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren ist der bundesweite Fachverband der insgesamt 32 Kinderschutz-Zentren in Deutschland. Im Rahmen ihrer jährlichen Mitgliederversammlung debattierten die Fachkräfte ausführlich aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz und die Folgen für die Fachpraxis in den Einrichtungen.

Die Kinderschutz-Zentren begrüßen dabei ausdrücklich die in Politik und Öffentlichkeit gegenwärtig zu beobachtende gestiegene Aufmerksamkeit für die Relevanz von Kinderschutzthemen und die daraus resultierenden Anstrengungen zur Weiterentwicklung der Schutz- und Hilfestrukturen. Gleichzeitig beobachten die Fachmitarbeiter*innen eine starke Fokussierung der Wahrnehmung und fachpolitischer Reaktionsweisen auf das Problemfeld der sexuellen Gewalt. 

In der Praxis wird jedoch deutlich, wie stark Kinder und Jugendliche von anderen Gewaltformen und ihren Folgen betroffen sind.[1] Insbesondere sozial-emotionale Vernachlässigungen führen zu massiven Entwicklungsschädigungen von Kindern, wenn sie nicht früh und angemessen erkannt und behandelt werden, so die Einschätzung der Praktiker*innen. Zudem zeigen sich Fälle von Gewalt an Kindern und Jugendlichen bei differenzierter Betrachtung meist als komplexe Zusammenhänge verschiedener Gefährdungslagen, die nicht isoliert voneinander betrachtet werden können.

Die Kinderschutz-Zentren plädieren daher eindrücklich dafür, dass in der Politik, der Presse, der Justiz, dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe sowie anderen relevanten Bereichen die Aufmerksamkeit auf alle Gewaltformen gerichtet wird, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind. Schutzkonzepte, Hilfestrukturen und Rahmenbedingungen müssen zuverlässige Zugänge zur Bewältigung aller Formen von Gewalt ermöglichen!  

 

Hier rufen Sie den Zwischenruf im PDF-Format auf.

 


[1]Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2019 bei rund 55 500 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, die meisten wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (58%). Bei einem Drittel aller Fälle wurden Hinweise auf psychische Gewalt, in 27% der Fälle Indizien für körperliche Gewalt gefunden. Bei 5% der Fälle gab es Anzeichen für sexuelle Gewalt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/08/PD20_328_225.html

 



 

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